Das Sofa stinkt zum Himmel
Neue Möbel sind nicht immer ein Grund zur Freude: So manches Sofa stinkt buchstäblich zum Himmel, und das nicht nur ein paar Tage lang. Auch Teppiche, Matratzen, Schränke oder ganze Einbauküchen können, wenn sie neu sind, kräftig ausdampfen.
Das ist nicht nur lästig, sondern unter Umständen auch gesundheitsschädlich.
“Geruch kann natürlich ein Hinweis auf erhöhte Schadstoffkonzentrationen sein, muss aber nicht”, sagt der TÜV Rheinland. In den ersten Tagen sei es völlig normal, dass neue Möbel einen speziellen Geruch verströmen. “Klingt das aber nicht innerhalb weniger Wochen ab, sollte auf jeden Fall auf Schadstoffe überprüft werden”, rät die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute in Springe-Eldagsen (Niedersachsen).
Möbel können allerdings auch mit Schadstoffen belastet sein, die geruchlos sind und an der Oberfläche des Möbels haften oder in ihrem Material enthalten sind, ergänzt Weiskirchen. Wirklich klären können das nur Profis: Labore, die sich auf Innenraummessungen spezialisiert haben, messen das Raumklima oder untersuchen die Möbel in speziellen Prüfkammern.
Die Gefahr, die von zu vielen Schadstoffen in Möbeln ausgeht, ist für den, der ihnen täglich ausgesetzt ist, schließlich nicht unerheblich. “Das geht bei Augenbrennen und -rötungen los, über Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Atemproblemen und Schleimhautreizungen, starken Kopfschmerzen und Erbrechen”, warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.
Schadstofffrei fast unmöglich
Am besten ist daher, solche ungesunden Möbel gar nicht erst ins eigene Haus zu holen. Doch das klingt einfacher, als es in der Praxis ist. “Möbel, die gar keine Schadstoffe enthalten, wird es vermutlich gar nicht geben”. Selbst unbehandeltes Kiefernholz zum Beispiel enthält von Natur aus Terpene, auf die so mancher allergisch reagiert.
Eine Möglichkeit ist daher, die Zahl der Möbelstücke im Auge zu behalten. “Wir alle neigen dazu, immer mehr Möbel in immer kleinere und dichtere Räume zu stellen”. “Das ist kein guter Trend. Denn auch emissionsarme Möbel können bei entsprechender Anzahl zu Beschwerden führen.”
Der Bundesverband Gesundes Bauen und Wohnen rät darüber hinaus zum vollständigen Verzicht auf Spanplatten. “Zwar unterliegt die einzelne Platte in Deutschland einem Grenzwert an Formaldehybelastung, aber wenn ich mir eine ganze Küche aus solchen Platten in die Wohnung stelle, dann atme ich trotzdem eine Menge von dem Zeug ein.”
Massivholz kann eine Alternative sein. “Aber auch hier ist das Risiko gegeben, dass natürliche Bestandteile oder die Behandlung der Oberflächen für Allergiker problematisch sind”. Wer Probleme mit Allergien hat, sollte daher genau klären, auf welchen Bestandteilen zum Beispiel die Lacke, Öle oder Wachse basieren.
Gütesiegel als Orientierungshilfe
Eine Orientierung bieten Gütesiegel: Der “Blaue Engel”, das “Goldene M” der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel oder das Siegel “LGA-schadstoffgeprüft” zum Beispiel garantieren die Einhaltung von Schadstoffrichtwerten garantieren. Häufig sind die für den Laien aber nicht sofort zu entdecken. “Deshalb sollte der Kunde beim Kauf von Möbeln gezielt nach solchen Gütesiegeln fragen”.
Doch selbst wenn Verbraucher ein solches Gütesiegel finden, sind sie nicht automatisch auf der sicheren Seite. “Unterschiedliche Gütesiegel prüfen unterschiedliche Dinge”. “Deshalb sollte der Verbraucher genau schauen: Was steht dahinter? Wurde nur auf Formaldehyd getestet oder auch nach allgemein leichtflüchtigen organischen Substanzen gesucht?”
Dringend gewarnt wird in jedem Fall vor Schnäppchen aus Billig-Discountern. “Da wird eine Menge aus Osteuropa eingeführt und dem Kunden für ein paar Euro nachgeworfen”
Und kein Mensch weiß, was da alles drin ist.
Sollte ein Möbelstück tatsächlich eine Schadstoffbelastung aufweisen, die den gesetzlichen Richtwert überschreitet, hat der Käufer übrigens Rückgaberecht. Allerdings obliegt es ihm, das erst einmal per Expertenuntersuchung nachzuweisen. Das vermeintliche Schnäppchen kann ihn dann unter Umständen teuer zu stehen kommen.
Tricks gegen Schadstoffe
Um die Schadstoffkonzentration im eigenen Wohn- oder Schlafzimmer zu senken, hilft neben der überlegten Wahl der Möbel vor allem eines: viel Lüften, am besten zwei- bis dreimal täglich. Absolut tabu sind Raumsprays, die den Mief nur übertönen statt ihn zu beseitigen. Sie lösen im Zweifelsfall selbst Allergien aus. Hübsch anzusehen und effektiv gegen das Müffeln von Möbeln können auch Pflanzen sein. Gewächse mit viel Blattmasse wie der Ficus oder die Grünlilie binden Raumschadstoffe. Ein einsames Töpfchen auf der Fensterbank nützt in dem Fall aber nichts – es muss eher ein halber Dschungel sein.
Tags: formaldehyd, kleber, lüften, Schadstoffe, spanplatte, stinken
3 Kommentare für “Das Sofa stinkt zum Himmel”
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Oktober 2nd, 2009 at 11:19
Wenn der starke, unangenehme Geruch von neuen Einrichtungsgegenständen über Wochen anhält, kann das ein Hinweis auf Schadstoffkonzentrationen sein.
Aber auch bei geruchlosen Möbeln ist man nicht sicher vor Schadstoffen.
Die Folgen der Emissionen können vielfältig sein, vom Augenbrennen bis zum Erbrechen.
Für das Aufspüren der Schadstoffe gibt es spezielle Labore.
Am besten ist jedoch die Vorbeugung. Dazu gehört, dass man nicht zu viele Möbel in gut durchlüftete Räume stellt.
Wichtig sind aber vor allem die Gütesiegel, mit denen die Hersteller die Einhaltung der Schadstoffnormen garantieren wie zum Beispiel der „Blaue Engel“, das „Goldene M“ oder „LGA-schadstoffgeprüft“.
Vor Billig-Waren zum Beispiel aus Osteuropa warnt in diesem Zusammenhang die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz.
Oktober 2nd, 2009 at 11:24
Frischgebackene Eltern sollten den Möbelkauf und das Renovieren verschieben: Aus neuen Möbeln können flüchtige organische Verbindungen, wie zum Beispiel Formaldehyd, freigesetzt werden. Gleiches gilt für Maler- und Renovierungsarbeiten. Schadstoffe im Innenraum können das Risiko für allergische Erkrankungen, insbesondere Asthma, erhöhen.
November 9th, 2009 at 12:11
Verbraucher: Stinkende Möbel dürfen Sie zurückgeben
Sie haben Anspruch auf “geruchsneutrale” Ware. Verströmen Ihre Schlafzimmermöbel dauerhaft einen unangenehmen Chemikaliengeruch, können Sie auch noch mehr als ein Jahr nach dem Kauf vom Vertrag zurücktreten. Es kommt nicht darauf an, ob die Gerüche gesundheitsgefährend sind.
Eine Kundin kaufte eine Schlafzimmereinrichtung in Esche massiv für rund 6.200 Euro. Noch Monate nach dem Kauf verströmten die Möbel einen unangenehmen Chemikaliengeruch.
Die Frau reklamierte dies, doch der Möbelhändler konnte dem nicht abhelfen. Der Kundin stank es gewaltig, zumal ihr Schlaf unter dem Geruch litt.
Eine durchgeführte Raumluftanalyse ergab eine auffällige Häufung flüchtiger organischer Verbindungen. Daraufhin trat die Kundin vom Kauf zurück und verlangte den Kaufpreis erstattet.
Das Landgericht Coburg gab der Frau Recht. Sie hat Anspruch auf “geruchsneutrale” Ware und durfte auch 13 Monate nach dem Abschluss des Kaufvertrages den Vertrag rückabwickeln. Die Schlafzimmermöbel sind mangelhaft. Sie eignen sich nicht für die gewöhnliche Verwendung, also dem Schlafen.
Denn sie verströmen einen dauerhaften, unangenehmen Geruch. Dabei darf ein Kunde erwarten, dass Möbel nach dem Aufstellen und einer kurzen Zeit des Ausdünstens (z. B. von Lacken) geruchsneutral sind.
Ob die auftretenden Gerüche gesundheitsschädlich sind oder nicht, spielt keine Rolle (z. B. werden verbindliche Grenzwerte überschreiten).
Fazit: Das Möbelhaus muss die Einrichtung zurücknehmen und den Kaufpreis zurückzahlen (LG Coburg, Beschluss vom 7. 8. 2009, Az. 6 U 30/09).