September 19

Keinen kurzlebigen Möbel Design Spuk

Wie hat sich in der letzten Zeit der Wohngeschmack verändert?

Die Leute wollen heute solide, seriöse und ehrliche Produkte. Es wird weniger experimentiert. Was zwischen den 60er- und 80er-Jahren entworfen wurde, gilt immer noch als avantgardistisch.

Die Menschen wollen heute Sicherheit und Wertigkeit. Die handwerkliche Qualität steht wieder im Zentrum. Das ist viel wichtiger als die Experimentierfreude. Übrigens ist der Trend auch in Bereichen wie Mode oder Kunst zu spüren.

Wie hat sich die Einrichtungsbranche verändert?


Auf der einen Seite hat die Anzahl kleiner Wohnboutiquen mit wenigen Kollektionen zugenommen, andererseits die Zahl der Grossverteiler. Letztere sind stark durch Ikea beeinflusst. Ikea hat nicht nur einen neuen Stil, sondern auch sehr erfolgreich ein völlig neues Kaufverhalten eingeführt. Viele der grossen Anbieter setzen deshalb heute ebenfalls auf die Form des Mitnahmemarktes.

Der Markt ist insgesamt sicher enger geworden. Gerade die kleinen Geschäfte machen in ihrer Summe etwas aus. Aber der Markt für Gesamteinrichter hat sich kaum verändert.

Arbeiten mit dem ganzen Einrichtungsangebot, nicht nur mit Möbeln und Accessoires.

Ikea hat übrigens die Designaffinität der Leute geweckt und sie schon früh für gutes Design sensibilisiert. Für den Kunden ist das oft der Einstieg in eine geschmackliche Welt, die wir nachher auf einer höheren Stufe weiterführen können.

Ist das Internet zur Konkurrenz geworden?

Nein, es ist sehr hilfreich. Viele Kunden informieren sich vorab im Internet über Labels und Möbel. Je informierter der Kunde ist, desto höher ist seine Wertschätzung für das Produkt. Und dass Möbel via Internet von Asien oder Italien billiger zu bestellen sind, stimmt heute auch nicht mehr.

Was kauft der typische Möbel Kunde?
Den gibt es nicht. Wie überall sind die Leute sehr individuell. Was man generell sagen kann, ist, dass die Affinität für gutes Design sehr hoch ist.

Spüren Sie die Internationalisierung?
Ja, sehr stark sogar. Der Anteil der Kunden, die eine Fremdsprache sprechen, beträgt heute mehr als 20 Prozent.

Stellen Sie kulturelle Unterschiede beim Einrichten fest?
Kaum, die Wohnstile, die wir heute haben, sind international. Kulturell gibt es da nur minimale Unterschiede.

Und wie geht es mit dem Möbelverkauf in der Krise?
Wir warten immer noch darauf. Wenn die Leute das Geld schwerer verdienen, geben sie es bewusster aus. Sie suchen nach Qualität und traditionellen Partnern. Ausserdem scheinen viele Leute im Moment in ihr Haus zu investieren, da sie dort eine klare Wertsteigerung haben.

Wohin entwickelt sich der Markt?
Die Kluft zwischen kleinen Fachgeschäften und grossflächigen Anbietern wird grösser, wobei auch letztere immer mehr auf Designermöbel setzen. Die Stärke der Kleinen ist die persönliche Beratung. Am schwierigsten wird es wohl für mittelgrosse Betriebe werden. Ausserdem denke ich, dass die Sensibilität für Design noch zunimmt. Und schliesslich wird der sogenannte Lohas-Lebensstil (Lifestyle of Health and Sustainability, Lebensstil für Gesundheit und Nachhaltigkeit; Red.) immer wichtiger. Der Kunde will wissen, woher ein Produkt stammt, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde, wie sein Energieverbrauch ist und wie er es eines Tages entsorgen kann. Ich bin sicher, diese Haltung ist kein kurzfristiger Trend.

Was zeichnet ein erfolgreiches Möbel aus?
Am wichtigsten sind Qualität und Flexibilität. Das Möbel muss sich der Individualität des Kunden anpassen können. Ein Sofa, das es nur in zwei Breiten gibt, kann keinen Erfolg haben.

Ausserdem sollte das Design zeitlos sein. Der Kunde will keinen Spuk kaufen, der nächstes Jahr vorbei ist.

Der Kunde hat sehr hohe Ansprüche. Wenn wir Kundenreklamationen an einen Hersteller, etwa in Italien, weiterleiten, stossen wir dort oft auf Unverständnis.

Welches sind für Sie heute die spannendsten Länder in Sachen Möbeldesign?


Die ist Schweiz eines der innovativsten Länder. Sowohl Hersteller als auch Entwerfer und Techniker leisten Beachtliches. Kleine Firmen wie etwa Wogg aus Baden bieten Innovationen am Laufmeter. Insgesamt ist das Möbeldesign aber sehr international geworden.

Tags: design, Einrichtung, Internet, labels, Möbel, möbelhandel

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